abstrakt I

Die Arbeiten von Lea Lugarič zeigen keine realistischen photographischen Abbildungen unserer Welt. Vielmehr geht es der Künstlerin darum, das Auge des Betrachters zu täuschen. Ihre Bilder erwecken daher nicht den Eindruck herkömmlicher Photographien, sondern besitzen eine eigene ganz spezifische Wirkung.
Man kann zwar der Frage nachgehen, welche Gegenstände eigentlich auf den Bildern ihre Spur hinterlassen haben, aber nicht der Bildinhalt, sondern Form und vor allem Bildwirkung sind die zentralen Themen der Arbeiten von Lea Lugarič. „Mich interessiert das, was nicht im Mittelpunkt steht. Ich stelle in den Mittelpunkt, was nicht interessant (er)scheint“, lautet ihr Credo. Die Gefühle, die dann beim Betrachten der Bilder – sowohl in anderen als auch in ihr selbst – entstehen, sind das, wonach sie strebt.
Beim Photographieren hat sie sich in den letzten Jahren immer mehr darauf beschränkt, nur das ihr Wesentliche festzuhalten. Sie will Gefühle in Erinnerung behalten und überlässt das Abbilden der äußeren Wirklichkeit anderen. Stattdessen konzentriert sie sich auf die Gestaltung reduzierter, abstrakter Bilder. Ihr ausschließliches Interesse gilt der Wirkung von Bildern und deren Fähigkeit, Gefühle auszulösen, auch dann wenn keine gegenständliche Wirklichkeit zu erkennen ist. Im Sinne des berühmten Satzes von Paul Klee geben ihre Bilder nicht das Sichtbare wieder, sondern machen sichtbar: Gefühle, Stimmungen, Emotionen, die sich auf den Betrachter übertragen oder in ihm wachgerufen werden.
Die Bilder von Lea Lugarič gehören nicht zu den lauten, die sich in den Vordergrund drängen wollen und durch ihre schrillen Farben, ihre schockierenden Themen oder durch ihre Größe unsere Aufmerksamkeit erregen. Vielmehr gelingt es der Künstlerin mit ihrer schlichten, eindrucksvollen Bildersprache, den Betrachter längerfristig in den Bann ihrer Bilder zu ziehen und nachhaltig zu fesseln. Es sind Bilder, die sich einprägen, zum Träumen oder Nachdenken anregen und immer wieder aufs Neue interessant sind. (Wolfgang Vogg)
Dr. Wolfgang Vogg: Studium der Kunstgeschichte und der Klassischen Archäologie.
Tätigkeiten am Bundesdenkmalamt und Medienzentrum des Unterrichtsministeriums.
Seit 1985 Lehrer an der Graphischen, sowie Lehrbeauftragter und Veranstaltungsleiter
an der Pädagogischen Hochschule Wien.
analoge Fotografie, 20 x 30 cm,
SW-Print auf Baryth-Papier aufkaschiert auf Aluminium

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