Notizen aus Perú

# 1
»Notizen aus Perú« ist ein autobiographischer Bericht in Form eines Buches. Körperliches und Geistiges, der Buchkörper und der Inhalt stehen zu einander in Beziehung. Drei parallel laufende Erzählebenen – Aufzeichnun­gen, E-mails und Fotos – erzählen von meinem Schüleraustauschjahr in Chimbote (Perú) 2000/01.
Eine Erinnerung, die im menschlichen Körper gespeichert ist wird durch »Transformation der Stimme auf Papier« sichtbar bzw. lesbar¹. Erst dann ist eine visuelle Erfassung von typografischen Daten oder Zeichen möglich.
Medien fungieren als »Vermittlungssysteme zwischen Innen- und Außenwelt, zwischen der individuellen und kollektiven Dimension von Gedächtnis und Erinnerung«². Es ist eine Reise in eine andere Welt, eine Reise in die Gedanken eines sechzehnjährigen Mädchens während ihres 11 Monate langen Aufenthaltes fern ab von ihrer Familie und allem bisher gewohntem/bekanntem.
Das Medium Buch bzw. die Form des Künstlerbuches habe ich bewusst gewählt, weil mir die Verbindung zwischen dem Lesen als Akt des Erfassens von Sinneseindrücken und dem Lesen im Buch als solches wichtig war. Denn im Akt der Wahrnehmung ist eine Steigerung möglich, vom bewussten Sehen zum Entziffern oder Lesen³. »Wir alle lesen in uns oder der uns umgebenden Welt, um zu begreifen, wer wir sind und wo wir sind. Wir lesen, um zu verstehen oder auf das Ver­stehen hinzuarbeiten«4.
1 Christian Gudehus, Arianne Eichenberg, Harald Welzer (Hrsg.) (2010): »Gedächtnis und Erinnerung.
Ein interdisziplinäres Handbuch«.
Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler; S127
2 Ernst Strouhal (2010): »Blättern. Rückblick voraus auf Raymond Queneaus ›Hunderttausend Milliarden Gedichte‹«.
In: Thomas Eder, Samo Kobenter, Peter Plener (Hrsg.): »Seitenweise. Was ein Buch ist«. (S. 32–42).
Wien: Bundes­pressedienst Österreich; S 468
3 Alberto Manguel (2000): »Eine Geschichte des Lesens«. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag; S. 46
4 ebd., 16
 
# 2
Auszug aus dem Nachwort von Klaus Ottomeyer:
»…› ich ‹ bin nicht ich; zumindest bin ich nicht mehr dasselbe innere Ich.« schrieb Ernesto Che Guevara am Ende seiner Motorradreise durch Südamerika. Am Ende ihres einjährigen Aufenthaltes in Perú hat auch Lea Lugarič sich kaum auf ihren alten Fotos wiedererkannt. Sie bezieht sich bewusst oder unbewusst auf das Guevara-Zitat, das ihren Notizen vorangestellt ist. Bei größeren Reisen und Aufenthalten in der Fremde geschieht es, dass wir die Welt und uns selbst aus mehreren und oft überraschenden Perspektiven wahrnehmen. Eine ähnliche »Dezentrierung«, eine Entwicklung von neuen multiplen Perspektiven auf die subjektive und die objektive Welt, begleitet von Gefühlen der Angst und der Neugier, vollzieht sich der Möglichkeit nach auch in unserer Adoleszenz. Man kann sich vorstellen – oder auch nicht vorstellen – was passiert, wenn nun beides zusammenkommt, wenn eine sich selbst gerade entdeckende Jugendliche den Mut hat, sich auf eine große Reise zu begeben. Die mehrfache Bewegung ist nicht ohne Risiko. (…) Ein »Identitätsverlust« als Identitätsgewinn?
Klaus Ottomeyer: em. Professor an der Universität Klagenfurt und Leiter der Abteilung für Sozialpsychologie, Ethnopsychoanalyse und Psychotraumatologie
138 Seiten, 19 x 24 cm

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